Im 20. Jahrhundert setzten sich viele Entwicklungen fort, die im 19. Jahrhundert begonnen hatten, doch die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche der Moderne verliehen ihnen neue Dimensionen. Die Industrialisierung vertiefte sich, spezialisierte Branchen wie Maschinenbau, Elektrotechnik und kunststoffverarbeitende Betriebe entstanden, und die Konsumgüterherstellung blieb ein zentraler Bestandteil der Herforder Wirtschaft.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ in Herford nur relativ geringe Zerstörungen, doch im April 1945 wurde die Stadt von amerikanischen Truppen besetzt und anschließend Teil der britischen Besatzungszone. In den folgenden Jahren prägten der Wiederaufbau, Wohnungsbauprogramme und der Ausbau der kommunalen Infrastruktur das Stadtbild. Besonders die Integration von Vertriebenen, Flüchtlingen und Arbeitsmigrantinnen und -migranten führte zu tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen, wovon zum Beispiel der erheblich gewachsene katholische Bevölkerungsanteil zeugt.
Ein dunkles Kapitel dieser Zeit war die nahezu vollständige Vernichtung der jüdischen Gemeinde im Nationalsozialismus. Nach 1945 wurde sie wieder neu gegründet und wuchs in den letzten Jahrzehnten durch Zuwanderung aus dem ehemaligen Ostblock wieder an, wofür der Neubau einer Synagoge im Jahr 2010 ein sichtbares Zeichen ist.
Stadtplanung und Verkehrswesen veränderten die Stadt: Der Ausbau wichtiger Straßenachsen und die Einrichtung von Fußgängerzonen führten zu erheblichen Eingriffen in das historische Stadtgefüge, die bis heute wichtig sind. Parallel dazu entstanden neue Gewerbegebiete und Wohnquartiere, die Herford fit für die Herausforderungen der Moderne machten.
